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Die automatische Übersetzung ist zwangsläufig ungenau. Diese Übersetzung ersetzt nicht die Lektüre der deutschen oder englischen Original-Texte. 1. Vorderseite rechts: MAGIER-Bild
Großzügigkeit bringt Ansehen und Ehre,
Mit dem Magierbild wählt unser Runenmeister ein in doppelter Hinsicht funktionales Motiv. Zum einen steht es für die Gaben, die sein Schützling empfangen, aber auch spenden soll, zum anderen für den Beginn seines Lebensweges, für seine Geburt, aber auch für sein Schicksal schlechthin. Und dafür wählt der Meister ein Motiv, das emblematisch die noble Abkunft unseres Helden widerspiegeln soll. Daß ein vermutlich heidnischer Künstler ein christliches Motiv wählt, ist nicht ungewöhnlich, zumal der undogmatische alte Glaube gerne jedem erfolgreichen Neuling huldigte. Was anderes taten die Magier, wenn sie, die Mitraspriester kamen – so Matthäus –, um den Begründer einer neuen Religion anzubeten.
Mit der Darstellung der Anbetungsszene folgt der Schnitzer weitgehend – aber nicht ganz - der christlichen ikonographischen Tradition. Ähnlich wie dort sitzt die Gottesmutter auf ihrem Thron, das Kind auf dem Schoß, wenn auch die Figuren hier auf Gesichts-Madallions reduziert sind: Maria gekennzeichnet durch Heiligenschein, der Sohn durch Mandorla mit Kreuzesnimbus. Obwohl die Körper der beiden nicht dargestellt sind, hat der Schnitzer den Fußschemel (Suppedaneum) der Vorlage eingefügt.
Schaut man genauer hin, erkennt man eindeutig heidnische Elemente, die diese christliche Darstellung relativieren. Auch den Wotansgläubigen galt die Rosette als Heilszeichen sowohl für die Lebenden wie für die Toten, da es sich auf Schilden, Schmuck und Grabsteinen findet. Sehr wahrscheinlich steht das Symbol für Sonne und/oder Mond, für den Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt.3 Diesem Symbol des Lebens steht dem valknut, Odin/Wotans Todesknoten gegenüber, - sehr sinnvoll über dem Rücken des dritten Magiers plaziert, der ja Myrrhe - ein auf den Tod verweisendes Geschenk - herbei bringt. Da die übrigen vier valknutr nur auf den zwei Kästchenplatten (rechte Seite und Deckel) auftauchen, die mit Odin/Wotans Walhalla in Verbindung stehen, wird hier mit Rosette und Knoten der Lebensweg von der Geburt bis zum Tod beschrieben sein. Diese Bedeutung spiegelt sich ja schon in den drei Gaben der biblischen Weisen wider. Auch der Bogen, unter den Mutter und Kind gesetzt sind, weicht von der ikonographischen Tradition ab. Er findet sich in heidnischem Kontext auch auf der Rückseite (dort über den Tierpaaren) und dem Deckel (dort über einer Kampfhelferin) und kennzeichnet somit einen geheiligten Bezirk.4 Merkwürdig erscheint in diesem Zusammenhang auch die Konstruktion des Bogens. Zwischen Basis (Plinthe) und Kapitell trennt eine dritte „Plinthe" die beiden Säulensegmente. Es kann kaum ein Zufall sein, daß der Schnitzer diese horizontalen Elemente aus unterschiedlich vielen Ebenen komponiert hat. Während die der linken Säule aus jeweils 3 Elementen bestehen, sind es rechts (von unten nach oben) 4, 2, 3; in beiden Fällen aber jeweils 9 Schichten. Es ist nicht undenkbar, daß der Runenmeister mit er linken Seite auf das 3. ætt der Runenreihe und mit der rechten auf die Position der Runen in diesem ætt (e, b, m) hinweisen will. Allerdings wäre eine solche Deutung recht spekulativ.
Wenn der Schnitzer anstelle des führenden Engels einen Vogel darstellt, dann deutet er die Vorlage zwar um, aber er entfernt sich nicht weit von der Aussage: Streng biblisch genommen tritt der Engel als Bote Gottes auf; im Volksglauben dagegen wird er zum lebensbegleitenden Schutz- und letztendlich zum Todesengel. Dem entspricht im germanischen Weltbild die Walküre, die ihrem Schützling von der Geburt bis zum Tode und darüber hinaus zur Seite steht. Sie erscheint zu seinen Lebzeiten als Vogel, - erstmals bei seiner Geburt. Es ist seine fylgja, die Frau, die ihm unbemerkt folgt und zur Seite steht. Sie ist es, nun sigewif oder Schlachthelferin, die ihn in seinem letzten Kampf als Walküre (in Gestalt eines monströsen Schreckenswesens) überwindet und die er im Nachtod erstmals als menschengestaltige Geliebte erfährt.
Vielleicht ist der Bezug zu den älteren heidnischen Vorstellungen aber noch enger als hier angenommen. Wenn die Rosette mit ihren
Darüber hinaus mag mit den sechs S-förmigen Elementen (zwei rechts und links vom Kopf der Maria, eines links neben den Kind, zwei zwischen Thron und Magiern, eines spiegelverkehrt vor dem dritten Magier) die Eibenrune (eoh) in ornamentaler Verfremdung6 angedeutet sein. Die Eibe7 ist gleichfalls Symbol des Lebens, des Todes und der Wiederauferstehung. Ihre Früchte sind eßbar, deren Samen aber giftig. Sie scheint unsterblich zu sein, da sie mehrere tausend Jahre alt wird, und sie scheint wieder aufzuerstehen, da sie sich nicht nur über Samen und Ableger, sondern auch über ihre Luftwurzeln aus sich selbst heraus, d.h. aus ihrem oft hohlen Stamm erneuert.
Zusammenfassend können wir sagen, daß der Schnitzer den im Vorbild liegenden Topos von Geburt, Tod und Wiederauferstehung gekannt und ihn durch heidnische Attribute [Eibenrune(?), Fylgja und Wotansknoten] verstärkt hat. ============================================================================================= 1 Historisch wird die Verwendung von Weihrauch im Christentum gerne auf den Kult der Israeliten zurückgeführt, in deren Tempel oft Weihrauch verbrannt wurde. Ursprünglich aus dem kanaanäischen Privaträucherkult kommend, wurde der Weihrauch im alten Israel zunächst als „Neuerung" abgelehnt. Erst später fand er Eingang im Tempel-Gottesdienst. Spätestens im nachexilischen zweiten Tempel von Jerusalem (ab etwa 540 v. Chr.) befand sich vor dem Vorhang des Allerheiligsten der Rauchopferaltar, an dem morgens und abends ein Rauchopfer dargebracht wurde. (Quelle: Wikipedia) 2 Im alten Ägypten nutzte man bereits vor 3000 Jahren Myrrhe zur Einbalsamierung. Das getrocknete, gelb-braune Harzgranulat wird seit Jahrtausenden vor allem in Jemen, Äthiopien, Sudan und Somalia verwendet. Im Judentum gehörten Myrrhe und Aloe zur ordnungsgemäßen Bestattung des Leichnams; sie waren aber auch Bestandteil von kultischen Salbungen (griechisch: "Χριστός", latinisiert "Christus" - hebräisch: "Messias" bedeutet "der Gesalbte"). (Quelle: Wikipedia) 3 : Alfred Becker: Franks Casket. Zu den Bildern und Inschriften des Runenkästchens von Auzon (Regensburg, 1973) 120-123. Im Orient wurde (Mesopotamien) die Rosette in Verbindung mit der Fruchtbarkeitsgöttin Ishtar und ihrem Planeten Venus gesehen. So wie die Göttin in die Unterwelt eingeht und fruchtbringend zurückkehrt, so verhält sich die Venus als Abendstern, der untergeht und als Morgenstern wiederkehrt. Geburt, Tod und Wiederauferstehung waren so eng miteinander verwoben, daß all diese Ereignisse als Übergänge von einem Zustand in den nächsten verstanden wurden. Dies scheint die tiefere Symbolik der Rosette gewesen zu sein. 4 Nach unserer Deutung handelt es sich bei den Tieren um die Begleittiere der Kriegsgötter Tyr und Wotan/Odin, während es sich bei der Kampfhelferin um eine Walküre in Walhall dürfte. 5 Vgl. Marija Gimbutas, Die Sprache der Göttin, Das verschüttete Symbolsystem der westlichen Zivilisation, (2. Aufl.1996) 6 Was dem Betrachter heute als bedeutungslose Ausschmückung erscheint, hatte Sinn und Funktion. Punktmarken, Stäbe, Blatt- und Wurzelwerk hatten Hinweischarakter oder sollten magisch wirken. Erklärungen folgen mit den jeweiligen Bildbetrachtungen.
7 Die Eibe symbolisiert mit ihren Eigenschaften einerseits den Tod, andererseits auch ewiges Leben. Der Begriff „toxisch" leitet sich von dem todbringenden Gift der Eiben her, mit dem man schon in der Frühzeit Pfeile präparierte (griech. Toxon = Bogen, Eibe; toxicon = Pfeilgift), wie auch das althochdeutsche Wort iwa für ‚Eibe’ und ‚Bogen’ steht und mit ‚ewig’ lautverwandt ist. Ihre biologische Fähigkeit, sich vollständig zu erneuern, und ihre lange Lebensspanne – Eiben sind die ältesten Lebewesen Europas und Westasiens – haben sie zum Baum der Wiedergeburt und der Ewigkeit gemacht. |
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